Wenn über Bevölkerungsschutz gesprochen wird, geht es längst nicht mehr nur um klassische Naturkatastrophen oder einzelne Großschadenslagen. Die CP-Konferenz auf der INTERSCHUTZ 2026 richtet den Blick bewusst auf komplexe Krisenszenarien, bei denen militärische, zivile und infrastrukturelle Fragestellungen zunehmend ineinandergreifen.
Bereits der Titel der Veranstaltung macht die Stoßrichtung deutlich: „Zivile Kräfte voraus: Operationsplan Deutschland 2.0“. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen, die viele Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Kommunen aktuell intensiv beschäftigen: Wie resilient sind kritische Infrastrukturen? Wie vorbereitet sind Verwaltungsstäbe? Welche Rolle übernehmen Feuerwehren im Spannungs- oder Verteidigungsfall? Und wie verändern Cyberbedrohungen und hybride Krisen die Gefahrenabwehr?
Blackout-Szenarien und kommunale Krisenfähigkeit
Einen deutlichen Schwerpunkt setzt die Konferenz auf die Auswirkungen großflächiger Stromausfälle und die Handlungsfähigkeit kommunaler Strukturen. Bereits am Vormittag des ersten Konferenztages wird mit dem Vortrag „Berlin ohne Strom“ ein mögliches Blackout-Szenario aufgegriffen.
Ergänzt wird dieses Thema durch mehrere Beiträge zur Verwaltungsresilienz und Lageführung. Das Forschungsprojekt „ReVerSy“ beschäftigt sich mit der Stärkung von Verwaltungsstäben durch ganzheitliche Systemmodule. Anschließend wird mit „KriKom“ ein System vorgestellt, das kommunales Krisenmanagement auch bei großflächigen Ausfällen aufrechterhalten soll.
Gerade für Feuerwehren und Führungsstäbe dürfte dieser Themenblock hohe Relevanz besitzen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass langandauernde Stromausfälle oder Ausfälle kritischer Infrastruktur nicht nur technische Probleme darstellen, sondern unmittelbar Führungsfähigkeit, Kommunikation und Durchhaltefähigkeit beeinflussen.
Bevölkerungsschutz zwischen ziviler und militärischer Verteidigung
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz liegt auf der engeren Verzahnung von zivilem Bevölkerungsschutz und gesamtstaatlicher Sicherheitsvorsorge. Bereits zum Auftakt spricht Christoph de Vries, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium des Innern, über die Frage, wie militärische und zivile Verteidigung künftig stärker zusammengedacht werden müssen.
Auch das „Grünbuch ZMZ 4.0“ greift die zivil-militärische Zusammenarbeit explizit auf. Damit bewegt sich die CP-Konferenz in einem Themenfeld, das durch den Ukrainekrieg, Diskussionen um KRITIS-Schutz und die zunehmende Bedeutung nationaler Resilienz deutlich an Dynamik gewonnen hat.
Für Feuerwehren entsteht daraus eine neue Perspektive auf den Bevölkerungsschutz. Neben klassischen Einsatzlagen rücken zunehmend auch Szenarien in den Fokus, die langfristige Personalbindung, Versorgungssicherheit und Durchhaltefähigkeit betreffen.
Wirtschaft, Industrie und kritische Infrastruktur
Auffällig ist zudem die starke Einbindung von Industrie und Wirtschaft in das Konferenzprogramm. Mehrere Vorträge beschäftigen sich ausdrücklich mit resilienten Standorten, der Rolle der Pharmaindustrie im Bevölkerungsschutz und organisatorischer Krisenvorsorge.
Damit zeigt die Konferenz deutlich, dass Bevölkerungsschutz längst nicht mehr ausschließlich Aufgabe von Behörden und Einsatzorganisationen ist. Unternehmen, Betreiber kritischer Infrastruktur und industrielle Lieferketten werden zunehmend Teil gesamtgesellschaftlicher Krisenvorsorge.
Besonders deutlich wird dies im Vortrag „Optimismus ist keine Strategie!“, der sich mit Business Continuity Management und Krisenbewältigung beschäftigt. Der Titel allein verdeutlicht bereits den strategischen Ansatz der Veranstaltung: Weg von abstrakten Risikoanalysen, hin zu konkreter organisatorischer Vorbereitung.
Feuerwehr, Cyberresilienz und neue Bedrohungslagen
Am zweiten Veranstaltungstag rücken Ehrenamt, Cyberresilienz und neue Bedrohungsszenarien stärker in den Mittelpunkt. Themen wie die Abhängigkeit des Bevölkerungsschutzes vom Ehrenamt oder die Handlungsfähigkeit Deutschlands in Krisensituationen werden ebenso behandelt wie CBRN(E)-Lagen und Cyberangriffe.
Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei der Vortrag zu Cyberresilienz in deutschen Feuerwehren erhalten. Vorgestellt werden Ergebnisse einer ersten Studie zur IT-Sicherheit und Cyberresilienz innerhalb der Feuerwehren. Gerade vor dem Hintergrund digitalisierter Leitstellen, vernetzter Einsatzmittel und cloudbasierter Führungssoftware gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung.
Zusätzlich beschäftigt sich die Konferenz mit der Frage, ob künftig sogar ein „Cyber-Spannungsfall“ denkbar ist. Damit greift die Veranstaltung Szenarien auf, die bislang häufig eher theoretisch diskutiert wurden, inzwischen jedoch zunehmend in strategische Sicherheitsüberlegungen einfließen.
Feuerwehren als resiliente Organisationen
Für Feuerwehren besonders relevant dürfte der abschließende Vortrag der Berliner Feuerwehr werden. Unter dem Titel „Wandel in Krisen: Neue Anforderungen an Feuerwehren und der Weg zur resilienten Organisation“ beschäftigen sich Vertreter der Berliner Feuerwehr mit den strukturellen Folgen veränderter Krisenlagen.
Damit schließt die CP-Konferenz den Bogen zwischen strategischer Sicherheitsdiskussion und konkreter Einsatzrealität. Feuerwehren werden dabei nicht mehr nur als klassische Gefahrenabwehr betrachtet, sondern zunehmend als Teil einer gesamtstaatlichen Resilienzstruktur.
Gerade diese Verbindung aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und operativer Gefahrenabwehr macht die CP-Konferenz zu einem der strategisch interessantesten Formate der INTERSCHUTZ 2026.
Text: BKS Report, Quelle: CPM Verlag







