Wie entsteht eigentlich ein Feuerwehrfahrzeug? Diese Frage stellt Schlingmann auf der INTERSCHUTZ 2026 bewusst in den Mittelpunkt seines Messeauftritts. Unter dem Motto „Road to INTERSCHUTZ“ begleitet das Unternehmen Besucher durch die einzelnen Stationen der Fahrzeugfertigung – von der Konstruktion über Schweiß- und Lackierarbeiten bis hin zur Endmontage, Beklebung und Beladung. Sechs Fahrzeuge wurden während ihrer Entstehung mit der Kamera begleitet und geben Einblicke in die Fertigungstiefe des Herstellers.

Damit rückt Schlingmann einen Aspekt in den Fokus, der auf Fachmessen häufig hinter den fertigen Fahrzeugen verschwindet: den Weg von der ersten Konstruktion bis zum einsatzbereiten Feuerwehrfahrzeug. Gleichzeitig nutzt das Unternehmen die INTERSCHUTZ, um unterschiedliche Fahrzeugkonzepte für kommunale Feuerwehren, Vegetationsbrandbekämpfung und technische Hilfeleistung zu präsentieren.

VARUS X: Zehn Jahre Entwicklungserfahrung in einer neuen Fahrzeuggeneration

Ein Schwerpunkt des Messeauftritts ist der neue VARUS X. Seit der Vorstellung des ursprünglichen VARUS-Aufbaus auf der INTERSCHUTZ 2015 hat Schlingmann zahlreiche Erfahrungen aus Produktion, Einsatzbetrieb und Kundenrückmeldungen gesammelt. Diese Erkenntnisse sind nun in die neue Aufbaugeneration eingeflossen.

Ausgestellt wird der VARUS X als Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF 20. Neben einer leistungsstärkeren Umfeld- und Geräteraumbeleuchtung wurden auch die Beleuchtung des Mannschaftsraums sowie die ergonomischen Eigenschaften des Fahrzeugs weiterentwickelt. Hinzu kommen neue Sicherheitsmerkmale wie zusätzliche Eckblitzleuchten am Heck und seitliche LED-Blaulichtbänder entlang des Aufbaus. Die Mannschaftskabine wurde nach ECE-R29/3 crashgetestet und soll damit ein hohes Maß an Sicherheit für die Besatzung gewährleisten.

Die Weiterentwicklung zeigt, wie stark sich moderne Feuerwehrfahrzeuge inzwischen an den Anforderungen der Anwender orientieren. Themen wie Sichtbarkeit, Ergonomie und Sicherheit spielen heute eine ebenso wichtige Rolle wie Löschtechnik und Beladung.

Flexibilität für unterschiedliche Einsatzlagen

Mit dem VARUS CASTRA zeigt Schlingmann ein Fahrzeugkonzept, das auf flexible Beladung ausgelegt ist. Das ausgestellte HLF 10 kombiniert die Eigenschaften eines klassischen Löschfahrzeugs mit logistischen Fähigkeiten.

Der Heckbereich bietet Platz für drei Rollcontainer, die über eine Ladebordwand entnommen werden können. Neu ist dabei ein Verschiebesystem, das die Handhabung der Rollcontainer erleichtert. Dadurch lässt sich die Beladung vergleichsweise schnell an unterschiedliche Einsatzschwerpunkte anpassen, ohne auf die Grundfunktionen eines vollwertigen Löschfahrzeugs verzichten zu müssen.

Solche Konzepte gewinnen vor dem Hintergrund steigender Anforderungen und begrenzter Ressourcen zunehmend an Bedeutung. Viele Feuerwehren suchen nach Fahrzeuglösungen, die mehrere Aufgabenbereiche abdecken und gleichzeitig genügend Flexibilität für besondere Einsatzlagen bieten.

Wald- und Vegetationsbrände im Fokus

Wie viele andere Aussteller greift auch Schlingmann das Thema Vegetationsbrandbekämpfung auf. Mit gleich zwei Tanklöschfahrzeugen zeigt das Unternehmen unterschiedliche Ansätze für Einsätze in schwierigem Gelände.

Besonders geländegängig präsentiert sich ein TLF 3000 auf Mercedes-Benz Unimog U5025. Neben einem 4.000-Liter-Wassertank verfügt das Fahrzeug unter anderem über einen Dachwerfer, ein aus der Dachluke bedienbares Strahlrohr sowie Frontsprühdüsen. Die Kombination aus hochgeländegängigem Fahrgestell und spezieller Löschtechnik richtet sich insbesondere an Feuerwehren, die in Wald- und Vegetationsbrandlagen tätig werden.

Daneben zeigt Schlingmann ein TLF 4000-V auf MAN-TGM-Fahrgestell. Das Fahrzeug erfüllt die Anforderungen der Geländekategorie 3 nach DIN EN 1846 und verfügt über einen 6.000-Liter-Wassertank. Dach- und Frontwerfer sowie zusätzliche Druckabgänge ermöglichen unterschiedliche Einsatzkonzepte bei Vegetationsbränden und in wasserarmen Gebieten.

Die ausgestellten Fahrzeuge verdeutlichen, wie stark das Thema Waldbrandbekämpfung inzwischen die Fahrzeugentwicklung beeinflusst. Große Wasservorräte, hohe Geländegängigkeit und die Möglichkeit, Löschmaßnahmen auch während der Fahrt durchzuführen, gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Großtanklöschfahrzeuge für besondere Einsatzlagen

Mit einem GTLF auf Scania-Dreiachsfahrgestell präsentiert Schlingmann darüber hinaus eine Lösung für Einsatzszenarien mit hohem Löschmittelbedarf. Das Fahrzeug verfügt über einen 8.000-Liter-Wassertank sowie mehrere Schaummitteltanks mit insgesamt 1.000 Litern Fassungsvermögen.

Die Ausstattung richtet sich insbesondere an industrielle Einsatzszenarien, eignet sich jedoch auch als Wasserzubringer bei großflächigen Wald- und Vegetationsbränden. Ein per Funk fernbedienbarer Dachwerfer sowie ein mitgeführter Faltbehälter ermöglichen die schnelle Einrichtung von Wasserpuffern an abgelegenen Einsatzstellen.

Gerade bei langandauernden Lagen zeigt sich die Bedeutung solcher Fahrzeuge. Häufig entscheidet nicht die eigentliche Brandbekämpfung über den Einsatzerfolg, sondern die Fähigkeit, große Mengen Wasser oder Schaummittel zuverlässig an die Einsatzstelle zu bringen.

Technische Hilfeleistung bleibt ein zentrales Einsatzfeld

Neben der Brandbekämpfung nimmt Schlingmann auch die technische Hilfeleistung in den Blick. Ausgestellt wird ein Rüstwagen auf Mercedes-Benz-Arocs-Fahrgestell mit umfangreicher Ausstattung für komplexe Hilfeleistungseinsätze.

Zum Fahrzeug gehören unter anderem eine 50-kN-Seilwinde, ein 30-kVA-Einbaugenerator sowie ein am Heck montierter Kran. Die Beladung ist in Aluminiumcontainern, Schubladen, Auszügen und Schwenkwänden untergebracht und soll eine flexible Nutzung bei unterschiedlichsten Einsatzlagen ermöglichen.

Die Ausstattung zeigt, dass technische Hilfeleistung weiterhin zu den zentralen Aufgaben moderner Feuerwehren gehört. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Fahrzeuge, da Einsatzlagen zunehmend komplexer werden und ein breites Spektrum an Spezialgerät erforderlich machen.

Blick hinter die Kulissen der Fahrzeugfertigung

Der Messeauftritt von Schlingmann verbindet damit zwei Perspektiven. Einerseits werden aktuelle Fahrzeuglösungen für Brandbekämpfung, Vegetationsbrandlagen und technische Hilfeleistung vorgestellt. Andererseits erhalten Besucher Einblicke in die Entstehung dieser Fahrzeuge und die Fertigungsprozesse am Standort Dissen am Teutoburger Wald.

Die INTERSCHUTZ 2026 läuft noch bis zum 6. Juni auf dem Messegelände in Hannover. Besucher können die Fahrzeuge und die „Road to INTERSCHUTZ“-Präsentation im Freigelände am Stand K86 erleben.

Text: BKS Report

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